Für unsere Bildungsarbeit in der Kirchengemeinde Grafrath wurden folgende Thesen erarbeitet.

Martin Luther unterscheidet zwei Dimensionen von Bildung:

  1. Bildung mit Blick auf den Glauben und die Kirche und 
  2. Bildung mit Blick auf den Menschen und die Gesellschaft.

Der Mensch soll auf der einen Seite einen bewussten Glauben entwickeln, über diesen Rechenschaft ablegen und ihn weitervermitteln können. Auf der anderen Seite soll der Mensch bewusst in dieser Welt leben, soll die verschiedenen Möglichkeiten menschliches Leben zu leben, zu verstehen und zu deuten wahrnehmen, sich selbst orientieren und gleichzeitig andere tolerieren.

Bildung aus evangelischer Sicht

  1. führt zur gegenseitigen Toleranz, zur Verständigung, zu Gerechtigkeit, zum Frieden.
  2. fördert das Miteinander ohne die individuelle Entwicklung und persönliche Lebenssituation des Einzelnen aus den Augen zu verlieren.
  3. Sie schöpft aus der jüdisch-christlichen Tradition, lernt aus der eigenen Geschichte, hält die Erinnerung wach.
  4. stellt sich gegen Antisemitismus und engagiert sich für Menschenrechte.
  5. erinnert an die Maße und Grenzen menschlichen Lebens und Handelns und ermutigt im Glauben an das Evangelium von Jesus Christus Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen und in die aktuelle Wertedebatte christliche Inhalte und protestantische  Standpunkte einzubringen.
  6. bezieht sich auf Menschen in allen Alters-, Lebens- und Bildungsbereichen und versteht Bildung nicht als isolierten Teilbereich der Kirche, sondern entfaltet Bildung in allen kirchlichen Arbeitsfeldern.

Evangelische Bildung ist gekennzeichnet durch Offenheit, weite und reiche Vielfalt. In diesem Sinne bedeutet Bildung immer auch „Bildung zur Menschlichkeit“, zu Gerechtigkeit, Hilfsbe-reitschaft und Toleranz, zur Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse anderer und der Praktizierung von Schutz und Solidarität gegenüber Schwachen und Benachteiligten.

Orte, an denen Bildung geschieht, sind „Stätten der Menschlichkeit“, an denen Menschen Achtung entgegengebracht wird, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Kultur. Stätten, die allen Menschen das Recht auf Gedanken-, Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit zugestehen. Die Verbindung von Bildung und Menschlichkeit bedeutet Befreiung und Bejahung einerseits und das Gebot zu wachsamer Kritik, zu Querdenken, Zivilcourage und Motiv des Widerstandes andererseits.

Im 21. Jahrhunderts ist es unerlässlich immer wieder zu betonen, dass Bildung nicht nur Wissen, sondern immer auch „Herzensbildung“ bedeutet.

Dazu zählen folgende
Bildungsdimensionen und -aufgaben

  1. eine ethische Bildung, die Wertbewusstsein, moralisch verantwortetes Denken und Handeln sowie Verantwortungsgefühl entwickelt und stärkt,
  2. eine politische und soziale Bildung, die den konstruktiven Umgang mit Aggression, den Abbau von Gewalt und die Konflikt-, Kompromiss- und Friedensfähigkeit fördert sowie für Demokratie und Menschenrechte eintritt,
  3. eine musisch-ästhetische Bildung, die für die Relevanz von kulturellen Werken und Gedanken wirbt sowie künstlerische Ausdrucksfähigkeit und Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch ihr Verstehen können entwickeln hilft,
  4. eine medienpädagogische Bildung, die zu Kompetenz in der verantwortlichen Nutzung vielfältigster medialer Angebote verhilft und fundierte Kenntnisse über Herausforderungen, Gefahren und Chancen des Medienzeitalters vermittelt,
  5. eine religiöse Bildung, die die Transzendenz und die Frage nach Gott ins (öffentliche) Gespräch bringt, christliche Glaubensinhalte vermittelt, religiöse Sprachfähigkeit fördert und Formen von Spiritualität unterstützt, die den Inhalten und dem Wesen des christlichen Glaubens Ausdruck verleihen.